Déporté à Mauthausen. Sur le rôle du complexe concentrationnaire dans l’archipel des camps nazi
16 Oct 2025, 14:00 – 16 Oct 2025, 14:25
Maison des Sciences Humaines et Sociales Paris Nord, 20, avenue George Sand, 93210 La Plaine Saint-Denis, Frankreich
Vortrag von Alexander Prenninger auf dem Kolloquium „L’Historiographie internationale du système concentrationnaire nazi“ in Paris
Das nationalsozialistische Regime und seine Verbündeten errichteten einen riesigen Komplex von ca. 42.000 Lagern, der eine Vielzahl unterschiedlicher Lagertypen umfasste: neben den Konzentrationslagern auch Durchgangslager, Ghettos, Kriegsgefangenenlager, Zwangsarbeitslager, Gestapo-Lager usw. Trotz umfangreicher Recherchen haben wir nur bisher begrenzte Informationen über die Funktionen der einzelnen Lager innerhalb dieses „Lagerarchipels“ und die Verbindungen zwischen den verschiedenen Lagern. Wann und warum bestimmte Gruppen von Häftlingen von einem Lager in ein anderes deportiert wurden, ist nicht Gegenstand der Forschungsagenda geworden oder hat sich auf detaillierte Studien zu einem bestimmten Lager beschränkt.
Eine einzigartige Sammlung von ca. 850 Interviews mit Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen mit detaillierten Angaben zu Zeiten und Orten der Verhaftung und Internierung macht es möglich, die Wege (trajectoires) dieser Überlebenden aus fast dem gesamten deutschen besetzten Europa durch das NS-Lagersystem nachzuvollziehen. Die Interviews wurden 2002/03 im Rahmen des „Mauthausen Survivors Documentation Project“ in vielen europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika und in Israel aufgenommen und werden seither im Rahmen des „Mauthausen Survivors Research Project“ erforscht.
Durch die innovative Kombination von Oral History mit der Historischen Netzwerkanalyse können diese Wege der Deportierten nun besser erforscht werden. Ein historischer Netzwerkansatz hat sich als effektive Methode erwiesen, um die unterschiedlichen Wege verschiedener Gruppen von Gefangenen zu analysieren. Eine genaue Analyse der Deportationswege zeigt, dass in verschiedenen Teilen des von Deutschland besetzten Europas unterschiedliche Arten der Internierung für bestimmte Arten von Häftlingen angewandt wurden. Die vielen Transporte von einem Lager in ein anderes, die diese Überlebenden erlebt haben, geben uns die Möglichkeit, über die individuellen Verfolgungswege hinaus die Verflechtung der Lager in der deutschen Besatzungs- und Verfolgungspolitik während des Zweiten Weltkriegs zu analysieren.