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27 Mar 2026 by izechner

Theresa Eisele erhält Preis der ÖAW

Theresa Eisele wurde an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Jubiläumspreis des Böhlau Verlages Wien ausgezeichnet. Die Vergabe für ihre Monographie über Theater als “Spiel- und Spiegelform” jüdischer Erfahrung im Wien der Jahrhundertwende erfolgte durch die philosophisch-historische Klasse, die Verleihung fand am 24. März 2026 im Festsaal der ÖAW statt.

Theresa Eisele: Theater als “Spiel- und Spiegelform” jüdischer Erfahrung. Wien 1890-1920, Göttingen: Wallstein Verlag 2024, 339 S, ISBN 978-3-8353-5621-4

Das Buch beforscht, wie der Eintritt von Jüd:innen in die Gesellschaft Wiens um 1900 „als Theater“ und mit theatralen Mitteln stattfand und entwirft so eine historische Praxeologie jüdischer Zugehörigkeit und Differenz. In vier Studien werden jüdische Erfahrungen der Moderne zwischen Zeigen und Beobachten, sozialer Schau und antisemitischer Bedrängnis als Modi des Theatralen zum Thema. Dabei rückt Theater als eine kulturhistorisch zentrale Praxis ins Zentrum, mit der Zugehörigkeit in der Moderne verhandelt, selbstbewusst behauptet oder befragt wurde. Während sich Jüd:innen auch im Alltag „wie auf einer Bühne“ permanenter Beobachtung ausgesetzt sahen, kommentierten sie dies wiederum künstlerisch, erprobten eigene Strategien sozialer Teilhabe und beteiligten sich an der Ausgestaltung von bürgerlichen Sozialrollen in der Großstadt. Theater zeigt sich so als eine vielschichtige kulturelle Praxis wie als „Spiel- und Spiegelform des Lebens“ (Stefan Zweig).

Die Monographie rückt dabei besonders die Positionierungen jüdischer Künstler:innen und Intellektueller der Zeit zwischen 1890 und den 1920er Jahren in den Fokus. Konkret diskutiert sie mit der Posse „Die Klabriaspartie“ eine der umstrittensten wie einschlägigsten Theaterinszenierungen der Wiener Moderne, und zeichnet daran anschließend innerjüdische wie gesamtgesellschaftliche (Theater-)Debatten um – im doppelten Wortsinn – Vorstellungen des „Jüdischen“ nach. Das performative Engagement für bürgerliche Sozialrollen wird im Schaffen des Publizisten Felix Salten als eine jüdische Akkulturationsstrategie offenbar, während im Modernen Tanz gerade die Abkehr von Akkulturation und eine dezidiert vergeschlechtlichte Idee jüdischer Teilhabe erprobt wird. Die vier Studien bringen so anhand eines heterogenen Quellenkorpus unterschiedliche theatrale Praktiken der Moderne miteinander ins Gespräch. Indem die Schrift dabei Theatergeschichte und Jüdische Geschichte miteinander verschränkt, kann sie zeigen, wie zentral Theater als künstlerische und kulturelle Praxis die Ausgestaltung sozialer Existenz für Jüd:innen in der Wiener Moderne geprägt hat.

Die Preisträgerin

Theresa Eisele ist Theaterwissenschaftlerin mit historischem Schwerpunkt. Sie studierte in Leipzig und Madrid und promovierte 2021 an der Universität Wien zur Verschränkung von Theatergeschichte und Jüdischer Geschichte. Aktuell ist sie als Akademische Rätin auf Zeit an der LMU München sowie als Senior Researcher am Ludwig Boltzmann Institute for Digital History tätig. Zuvor forschte sie an der Universität Wien, der FU Berlin sowie am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Seit 2022 leitet sie die Arbeitsgruppe Theaterhistoriografie der Gesellschaft für Theaterwissenschaft. Ihre Arbeiten zentrieren auf die (kultur)historische Theaterforschung der Moderne und wurden unter anderem vom Leo Baeck Institute London und der Gesellschaft für Theatergeschichte ausgezeichnet.

Jubliäumspreis des Böhlau Verlages Wien

a. Preisverleihung am 24. März 2026 im Festsaal der ÖAW